Workshops und Angebote

des Jugendhauses WoGo "United" 

 

13. - 15. 04. 2021 "Hör - Klang - Aufnahmeworkshop" JH Goddelau


 

„Wirklich mit Muße ans Werk gehen“

Jugendpflege – Von der Leinwand bis zum fertigen Bild – beim Pop-Art-Workshop in Goddelau ist alles selbst gemacht

Neun Kinder und Jugendliche betätigen sich bei einem viertägigen Workshop im Jugendhaus als Pop-Art-Künstler und machen vom Zusammenzimmern des Bildträgers bis zum fertigen Werk alles selbst.
 
GODDELAU.

Geduldig zeichnet Felix (elf Jahre) im Beamerlicht Bartstoppel für Bartstoppel – und von denen gibt es jede Menge. Riesengroß wirft der Projektor schwarz auf weiß das grob gekörnte Bild eines Mannes mit Sonnenbrille, Dreitagebart und wenig Haupthaar auf die Leinwand. „Das ist Brian aus dem Film Transformers“, erklärt der junge Künstler. Neben ihm an der zweiten Leinwand ist Betreuer Michel Nau mit den Umrissen eines stilisierten Bassisten beschäftigt. „Wir wollten auch gern ein Ergebnis des Workshops für das Jugendhaus. Der Bassist kommt hier in die Nähe der Tür als Hinweis auf unsere Konzerte“, erklärt Jugendpfleger Kai Faßnacht.

Vier Tage betätigen sich neun Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 13 Jahren als Pop-Art-Künstler und produzieren von der Leinwand bis zum Bild ein fertiges Werk, das sie im Anschluss mit nach Hause nehmen können. „Das Schöne ist, dass sie dafür gar nicht super im Malen sein müssen und dennoch durch Motivwahl und Farbgebung viel Kreativität dabei ist “, schwärmt Faßnacht. Denn wie bei den großen Vorbildern, etwa bei Andy Warhol, geht es um die fotorealistische Darstellung von Motiven aus der Alltagskultur oder den Massenmedien, oft überdimensional und flächig wie ein Plakat gestaltet. Dafür mussten die Workshopteilnehmer sich nur ein Foto oder Bild von zuhause mitbringen oder im Computer des Jugendhauses aussuchen. Das wurde dann entsprechend am Bildschirm bearbeitet, auf einen Stick gezogen und dann als Vorlage per Beamer auf die Leinwand geworfen, erklärt der Jugendpfleger.

Die Leinwand stand auch nicht einfach fix und fertig zum Gebrauch parat, sondern musste am ersten Workshop-Tag erst einmal von den Künstlern selbst aus Segeltuch und Dachlatten zusammengezimmert und anschließend mit weißer Wandfarbe grundiert werden. Einen auf 1,50 Meter große Leinwände sind so entstanden. Danach ging es dann per Beamer an die Übertragung des Motivs auf den textilen Untergrund. Und da im Jugendhaus nur zwei Projektoren vorhanden sind, musste sich die Gruppe ein wenig verteilen.

Während Felix mittlerweile von den Bartstoppeln zur Nase gekommen ist, haben die übrigen Teilnehmer ein Stockwerk höher den Bleistift gegen den Pinsel eingetauscht. Anders als die Pop-Art-Künstler der sechziger Jahre greifen sie weniger zu knalligen Primärfarben, sondern bevorzugen meist Schwarz. So schält sich gerade in fettem schwarzen Pinselstrich Rea Garveys rechte Schulter aus der feinen Bleistiftzeichnung. „Das Bild will ich meiner Mutter zum Muttertag schenken“, erklärt Marvin (10), während er konzentriert am Konterfei des Sängers weiterarbeitet. Der gleichaltrige Franco pinselt einige Staffeleien weiter am schwarzen Stiefel eines Gitarristen, der mitten im Sprung erstarrt ist. Dominik (11) arbeitet an einer riesigen Schlange, während Tamara (13) ihre Freundin verewigt.

Auch Farbe kommt ins Spiel

Doch es gibt doch nicht nur Schwarz. Renée (10) hat gerade die Fledermausmaske von Batman fertig gemalt und grübelt jetzt: „Ich weiß nicht, welche Farbe ich für das Cape nehmen soll.“ Ihre Freundin Marie (9) hat eine Idee. „Ich würde Gelb oder Grau nehmen.“ Sie selber hat gerade einen blauen Farbtupfer für den Spiegel gewählt, den ihre Pop-Art-Blondine in Händen hält.

Die Kunstwerke werden erst so ganz allmählich vor der weißen Grundierung sichtbar, aber es ist ja auch noch Zeit, ein ganzer weiterer Workshoptag liegt noch vor den Künstlern. „Das ist ja das Tolle, dass sie wirklich mit Muße ans Werk gehen können“, sagt Kai Faßnacht. „Wann gibt es das denn noch, dass man sich acht Stunden nur fürs Malen Zeit nehmen kann. Normalerweise denken sie ja immer, sie müssten in einer Viertelstunde fertig sein.“ Und so machen sich die Kinder und Jugendlichen mit erstaunlicher Geduld an die kreative Arbeit – und resignieren auch nicht vor fast zu vielen Bartstoppeln.

Anke Mosch (Darmstädter Echo)
 
 

Bob Marley auf Großleinwand

Osterferien-Workshop des Jugendhauses bringt erstaunlich kreative Ergebniss

Doppelte Freude: Marilyn Monroe           Vor der Kunst war handwerkliches Geschickt gefragt

Doppelte Freude: Marilyn Monroe             Vor der Kunst war handwerkliches Geschick gefragt

Bob Marley auf Großleinwand

Bob Marley auf Großleinwand

Was junge Menschen mit gehöriger Motivation und ein wenig Talent künstlerisch und kreativ auf die Beine stellen können, hat im Jugendhaus Goddelau schon einige verblüfft. Neuester Anlass zu solchem Staunen war dieser Tage mal wieder ein Workshop, der in der Osterwoche vom Jugendbüro Riedstadt angeboten wurde. Neun Jugendliche hatten sich für das Kunstangebot interessiert. Mehr hätten auch angesichts der Ausmaße der dabei verwendeten Leinwandrahmen im großen Raum des Jugendhauses WoGo United nicht Platz gehabt, um sich künstlerisch auszuprobieren.    

Ziel der vier Tage war es, auf selbst zusammengebauten Großleinwänden im Format von etwa 1 mal 1,5 Meter ein Gemälde im Stil der Pop-Art-Kunstikone Andy Warhol zu gestalten. Das ganze passierte mit einem kleinen Trick, wonach die von den Jugendlichen ausgewählten Vorlagen mittels eines Beamers auf die Leinwände übertragen wurden. Anschließend konnten die Workshopfans zunächst mit Bleistift, später dann mit Pinsel und Ölfarbe ihre Gemälde zu künstlerischen Unikaten gestalten.    

Die „Pop Art“ Kunst lebt vom starken Kontrast zwischen weißen, oft unbemalten Flächen und Farben und hatte ihren Höhepunkt eigentlich in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Statt des für jene Zeit üblichen Siebdrucks ging es diesmal mit Palette und Pinsel ans Werk.    

Die Teilnehmer waren mit Feuereifer bei der Sache und konnten abschließend ihren Talentnachweis mit nach Hause nehmen. Als Motive hängen jetzt Hollywoodstar Marilyn Monroe oder Reggae-Gott Bob Marley in den Jugendzimmern der Region. Sogar ein Portrait eines wohl heiß geliebten Scooters, zu früheren Zeiten hätte man ein solches Sportgerät leichtfertig als Tretroller bezeichnet, hat es auf die Leinwand geschafft. Das Konterfei des amerikanischen Sängers Jim Morrison (The Doors) hat jetzt seinen festen Platz an der kahlen Wand des Jugendzentrums gefunden. Für Jugendpfleger Kai Faßnacht war die Premiere seines Kunst-Workshops nicht nur deshalb ein voller Erfolg.    

Wer sich für die regelmäßigen Freizeitangebote des städtischen Jugendbüros interessiert kann sich gerne mit Kai Faßnacht direkt im Büro (Weidstraße 29a, Goddelau), per Telefon 06158  917623  oder per E-Mail (k.fassnacht@riedstadt.de) in Verbindung setzen.

Echtes Leben statt virtueller Freunde

Jugendhaus – Jugendpfleger Faßnacht will sich in Goddelau wieder stärker dem jüngeren Nachwuchs zuwenden

 
Ein Drei-Stationen-Turnier mit Billard, Tischkicker und Playstation stieß in Goddelau auf verhaltenes Interesse. Jugendpfleger Kai Faßnacht nutzte die Gelegenheit, um mit dem ECHO über echtes Leben und virtuelle Realität zu sprechen.
GODDELAU. 

Keine Frage: Es könnten derzeit mehr sein. Mehr Jugendliche, die den Weg ins Jugendhaus in der Goddelauer Weidstraße finden. Gerade die Älteren ließen sich zuletzt immer weniger blicken. Auch beim Drei-Stationen-Turnier in der letzten Weihnachtsferienwoche mit Billard, Kicker und Fußball an der Playstation war das wieder zu verspüren.

Jugendpfleger Kai Faßnacht erklärte im Gespräch mit dem ECHO deshalb auch, dass mit dem Angebot im Jugendhaus künftig wieder stärker die Jüngeren angesprochen werden sollen. „Wir haben kurz vor den Weihnachtsferien die vier Jahrgänge von 2001 bis 2004 angeschrieben.“ Dabei ging es nicht nur um das Ferienprogramm: Der Nachwuchs soll wieder wissen, dass es in der Weidstraße 29a eine Einrichtung in Goddelau gibt, in der man zusammenkommen kann, um eine gute Zeit zu verbringen.

Die Idee, die Kai Faßnacht beschreibt, ist so einfach wie scheinbar nicht mehr selbstverständlich. „Es geht um den direkten Kontakt, nicht nur über irgendeine Konsole.“ Verteufeln will er Smartphone und Videospielkonsole auf keinen Fall. „Die haben ja auch viele Vorteile, aber was verloren geht, das ist der direkte Kontakt miteinander, das gemeinsam am Tisch stehen, Erfolge haben und Misserfolge.“ Da werde dann zwar auch mal lauter gebrüllt und man ärgere sich bei einer verlorenen Partie, „aber das sind die ganzen Emotionen, die doch zum Spielen dazugehören“.

Die Zehnjährigen Nino, Patrick und Jonatan mussten an diesem zweiten Tag des Drei-Stationen-Turniers nicht überzeugt werden, mal vorbeizuschauen, obwohl alle im Gespräch mit dem ECHO verraten, dass sie technisch schon gut ausgestattet sind. Smartphone, Notebook? Alles vorhanden. Natürlich komme von den Eltern auch mal, dass sie nicht so oft die Technik in den Mittelpunkt stellen sollten. Doch allein der Besuch im Jugendhaus zeigt: Es gibt da noch etwas anderes, das ominöse „Real life“ – echtes Leben eben.

Geht es nach Kai Faßnacht, dürften das ruhig wieder ein paar mehr Jugendliche für sich entdecken. Egal ob Billard, Tischkicker, selbst gemeinsames Playstation-Spielen: „Da sitzen die Kinder immerhin nebeneinander.“ Und das Jugendhaus könne dafür einen guten Rahmen bieten: ein großer Raum, große Tische, viel Platz für Leute, die nicht nur im Virtuellen spielen wollen.

Faßnacht ist bereits seit 14 Jahren als Jugendpfleger im Einsatz und hat dabei auch erlebt, wie sich das soziale Miteinander des Nachwuchses in den vergangenen zehn Jahren verändert hat. Es gehe nicht darum, dass Jugendliche schneller aneinandergerieten, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Aber die Fähigkeit, sich Auge in Auge auseinanderzusetzen, gehe vielfach verloren. Wenn Kinder früher auf dem Weg zum angrenzenden Skatepark am Jugendhaus vorbeikamen, hätte sich gelegentlich noch ein Gespräch entwickelt. Heute gebe es „mit Ach und Krach ein Hallo und Tschüss“. „Die Leute nehmen sich weniger Zeit, sich kennenzulernen.“ Stattdessen werde oft über das Nachrichtenprogramm „WhatsApp“ kommuniziert.

Alles werde furchtbar schnell und manchmal auch etwas oberflächlich. Dabei macht Faßnacht sich auch Sorgen, dass Kinder vielleicht noch nie so von den Erwachsenen kontrolliert worden seien wie heute. Früher sei man aus dem Haus gegangen und habe die Uhrzeit gewusst, wann man zurückkehren musste. Heute habe er schon Kinder erlebt, die nach Hause mussten, weil der Handyakku leer und sie damit nicht mehr für die Eltern erreichbar waren.

Früher habe sich die junge Generation auch stärker an den Eltern orientieren können. Aufgrund immer neuer Technik sei das heute oft anders herum. Wenn es nur noch darum gehe, das neue Handy zu verstehen – Faßnacht zückt etwas später scherzhaft ein etwas in die Jahre gekommenes Klapphandy – würde der Erfahrungsschatz der Älteren schnell verloren gehen, weil er keinen Wert mehr habe. Das gelte insbesondere für handwerkliche Dinge, beispielsweise wenn früher die Großeltern mit dem Enkel das Fahrrad repariert hätten. Der heutige Lösungsweg: „Ich weiß es nicht, aber ich google es.“

Sebastian Philipp (Darmstädter Echo)

Ganz viele neue Perspektiven

WORKSHOP Riedstädter Jugendliche machen Fotos auf dem Kühkopf und in Darmstadt

GODDELAU - (amo). Drei Tage waren fünf Jugendliche im Fotografierworkshop des Jugendhauses WoGo „United“ auf der Suche nach ungewöhnlichen Motiven und Perspektiven in der Natur, der Stadt und beim Menschen.

Erst haben sie in der Natur fotografiert. Dann Gebäude und anderes Menschengemachtes. Am dritten und letzten Tag des Fotografierworkshops im Jugendhaus WoGo „United“ rückt der Mensch selbst in den Fokus. „Aber nicht einfach ,bitte lächeln‘ sagen und draufhalten. Genau diese Standardsachen wollen wir nicht“, sagt Jugendpfleger Kai Faßnacht. Wie in den Tagen zuvor geht es vielmehr um Motivwahl und ungewohnte Perspektiven. Die fünf Teilnehmer zwischen zehn und 15 Jahren gehen experimentierfreudig ans Werk: Marlon (10) lichtet bildfüllend das linke Auge der gleichaltrigen Mia ab. Dann hält sich Mia den Kamerabildschirm mit ihrem vergrößerten Sehorgan vors Auge und wieder klickt eine Kamera.

Wie erreiche ich den Effekt, dass Köpfe wie abgeschnitten aussehen?, fragen sich die Jugendlichen. Schließlich kauern sich Aaron (13), Simon (10) und Marlon hinter ein Sofa, sodass nur ihre Köpfe über der Lehne herausragen, und Mia fotografiert. Die weiße Leinwand, die sie als Hintergrund nutzen, diente zuvor schon als Medium für Schattenrissfotos. Verkleidungen fliegen umher, und das Bullauge in der Tür zum großen Raum im Erdgeschoss wurde an diesem Tag bereits als ungewöhnlicher Rahmen für ein Porträt zweckentfremdet.

Faßnacht und FSJler Paul Seybel sind auf jeden Fall begeistert von den Nachwuchsfotografen. „Es geht ja nicht darum, besondere technische Fertigkeiten zu erlangen, sondern mit ganz simplen Kameras, die sie von zuhause mitgebracht haben, auf Motivsuche zu gehen und ganz praktisch auszuprobieren“, erklärt der Jugendpfleger. „Gestern auf der Fahrt nach Darmstadt wollten sie ständig anhalten, weil sie wieder was Tolles entdeckt hatten. Ihr Blick ist jetzt schon ein ganz anderer“, freut er sich über die Kreativität seiner „Schüler“.

Die drei Tage hat Faßnacht sehr unterschiedlich erlebt und mit ihm auch die Teilnehmer. Am ersten Tag ging es auf Motivsuche mitten in der Idylle des Kühkopfs. „Es war eine sehr ruhige und entspannte Atmosphäre“, erzählt der Jugendpfleger. Ganz anders der Ausflug nach Darmstadt am darauffolgenden Tag.

„Hektik der Stadt hat sich gleich übertragen“

„Es gab dort sehr viele Eindrücke. Die Hektik der Stadt hat sich sofort auch auf die Kinder übertragen, sie haben viel hektischer fotografiert. Obwohl wir an beiden Tagen gleich lang unterwegs waren, war ich gestern schlagkaputt“, amüsiert sich Faßnacht. Doch die Auswahl war auch hier groß: Geschäfte, Schriftzüge und Gebäude wurden angelichtet, faszinierende Straßenlampen, der rätselhafte Schriftzug „DOCH“ auf einem Platz, oder das Zusammentreffen von alt und neu in einem Foto wie etwa das Darmstadtium und Reste der alten Festungsmauer. Marlon zeigt ein von ihm gewähltes Motiv: eine rote Blüte im Vordergrund, während man im Hintergrund das Schloss erahnt. Zum Abschluss dürfen sich die Teilnehmer ihr Lieblingsbild im Format 20 x 30 Zentimeter ausdrucken und rahmen lassen. Marlon hat sich schon entschieden: nicht die Blüte mit Schloss, sondern eine muntere Entenschar auf dem Altrhein. „Das hat er wirklich toll hinbekommen, mir ist es nicht so gut gelungen“, lobt der Jugendpfleger neidlos.

Anke Mosch (Darmstädter Echo)

Schwierige Motivauswahl 

Von Anke Mosch

POP-ART-WORKSHOP Jugendliche erstellen ihre Bilder samt Rahmen / Von der Comicfigur bis zu den Lilien

GODDELAU - Beim Pop-Art Workshop im Jugendhaus „WoGo United“ entstehen ganz unterschiedliche Gemälde, werden Comicfiguren, knallige Schriftzeichen oder schwarze Urzeitreptilien auf die Leinwand gebannt.

Gefährlich rot blitzen die Augen aus dem Superhelden-Gesicht, an dem Luis gerade pinselt. „Das ist Deadpool, der ist ganz neu im Kino“, stellt der junge Pop-Art-Künstler vor. „Die Comicfigur ist aber schon viel älter“, weiß sein Nachbar Maximilian, ebenfalls zwölf Jahre alt. Maximilian ist Spezialist für Älteres, doch sollte es vorzugsweise schon ein paar Millionen Jahre auf dem Buckel haben, um wirklich spannend für ihn zu sein. So ist die Kreatur, die unheilvoll das eindrucksvolle Maul mit den spitzen Zähnen aufreißt, mitnichten ein Krokodil, wie die ahnungslose Besucherin vermutet hatte. „Das ist ein urzeitliches Meeresreptil mit Namen Mosasaurus“, klärt Maximilian auf.

Ganz dem hier und jetzt verbunden, malt der elfjährige Marlon einen Platz weiter an den Emblemen der Fußballclubs Bayern München und der Darmstädter Lilien, einträchtig vereint auf einem Bild. „Mein Vater und mein Bruder sind Fans der beiden Clubs und ihnen möchte ich es für unseren Keller schenken“, verrät Marlon.

Bereits zum dritten Mal veranstaltet Jugendpfleger Kai Faßnacht während der Osterferien im Jugendhaus WoGo United einen Pop-Art-Workshop. Acht Nachwuchskünstler greifen in den vier Tagen nicht nur zu Farbtöpfen und Pinsel, sondern auch zu Säge, Hammer, Tacker und Computer. Denn hier wird von der Bilderrahmherstellung über die Motivauswahl bis zum fertigen Gemälde alles selber gemacht.

„Es ist ganz schön kompliziert“

„Am ersten Tag haben wir den Rahmen gebaut, mit Leinwand bespannt und grundiert. Am nächsten Tag haben wir dann am Computer Motive ausgesucht, bearbeitet und mit dem Beamer auf die Leinwand geworfen, sodass wir die Konturen nachzeichnen konnten“, erklärt Melina (elf). Sie hat ein reich verziertes Herzmotiv in steter Wiederholung über mehrere Reihen auf die Grundierung gezeichnet und verzweifelt an diesem Donnerstagmittag fast an den vielen feinen Windungen. „Es ist ganz schön kompliziert und ich habe allmählich Sorge, dass ich morgen nicht fertig werde“, sagt sie und schaut auf die vielen noch weißen Stellen.

Es herrscht eine entspannte und konzentrierte Stimmung im großen Dachraum des Jugendhauses. Einträchtig arbeiten die acht Jugendlichen an ihren Werken, werfen gelegentlich einen Blick auf die Nachbarleinwand und geben sich zwischendurch Tipps. Jugendpfleger Faßnacht war vor allem in den zwei Tagen zuvor beim Zusammenbau der Bilderrahmen und der Motivauswahl vonnöten. Die meisten Künstlerinnen mögen es farbenfroher als ihre Kollegen: Melina gestaltet in steter Farbfolge ihre Herzen in Gelb, Grün, Blau, Orange und Rot. Leonie (13) arbeitet an einem knallbunten „YOLO“-Schriftzug („you only live once“) und Saskia (elf) lässt einen Delfin vor einem glutroten Abendhimmel aus dem Wasser springen.

Nur Julia (elf) bevorzugt Schwarz für das Motorrad, das sie für ihren Vater malt. Marlon ist dagegen noch unschlüssig, ob er die Fußballclub-Embleme im strengen Schwarz-Weiß lässt, oder den Lilien doch noch das typische Blau verpasst. Der zweite Luis (elf) in der Runde hat sich wie sein Namenskollege schon entschieden: Trägt Deadpool standesgemäß eine Rot-Schwarze Maske, bekommt der Klon-Soldat aus Star Wars einige Akzente in Blau verpasst.

Mit gutem Blick fürs Motiv 

Von Ute Sebastian

FOTOGRAFIER-WORKSHOP Im Jugendhaus Goddelau lernen Kinder und Jugendliche, richtig hinzuschauen

GODDELAU - Kaum zu glauben, dass der Rinnstein einer gepflasterten Straße so interessant sein kann. Gras wächst darin, und teils füllt Moos die Ritzen der Pflastersteine. „Wer hat gestern weiße Schuhe angehabt?“, klingt da eine empörte Stimme durch den Raum. Marlon hat seinen Schnappschuss auf dem Computermonitor betrachtet und tatsächlich ganz oben am Bildrand einen viertel Fuß entdeckt. Auf einem anderen Foto wiederum sind Füße das eigentliche Motiv. Sie stehen auf der bunt angemalten Sitzgelegenheit vorm Jugendhaus WoGo United.

Mainzer Innenstadt und Goddelauer Volkspark

Das hatte Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren für drei Tage zum Fotografier-Workshop eingeladen. Am Dienstag war die elfköpfige Gruppe mit ihren Begleitern am Rhein rund um die Kornsand-Fähre zugange, am Mittwoch ging es in die Mainzer Innenstadt. Am Donnerstag waren die jungen Fotografen im Goddelauer Volkspark unterwegs. Ziel des Seminars war nicht die nötige Technik oder Bildbearbeitung am PC. Es ging vielmehr um die Auswahl möglicher Motive.

„Wir wollen den Kindern nicht beibringen, wie man mit einer Spiegelreflex umgeht oder Bilder bearbeitet“, sagt Jugendpfleger Kai Faßnacht. „Wir haben das einfacher angelegt.“ Schon mit einer kleinen Digitalkamera könne man tolle Bilder schießen. Es komme nämlich auf den Blick fürs Detail an. „Wie gucke ich? Was sehe ich? Wie gestalte ich mein Bild? Das sollen sich die Teilnehmer fragen“, betont Faßnacht und stellt fest, schon gleich am ersten Tag seien spannende Motive eingefangen worden.

Die jungen Fotografen hätten bei ihrer Arbeit keine Vorgaben gehabt, erläutert der Jugendpfleger, und selbstständig die Umgebung erkunden. Ob ein grünes Ahornblatt auf welkem Laub, Details eines Gleisstrangs oder die Stachelhülle einer Esskastanie – vieles haben sie attraktiv in Szene gesetzt. Auch sich selbst und die übrigen Workshopteilnehmer.

Bildbearbeitung bleibt außen vor

Bearbeitet werden die Bilder übrigens nicht. „Wir lassen alles wie gesehen“, meint Kai Faßnacht und räumt ein, von Bildbearbeitung habe er nicht viel Ahnung. Außerdem müsse nicht alles, was Kinder und Jugendliche tun, perfekt sein. Auch wenn Perfektionswahn heutzutage der Trend sei. „Es gibt nicht nur die vielfach geschönten Bilder der Hochglanzmagazine – Gesichter ganz ohne Falten, Leberflecken und Pickel und Landschaften ohne dunkle Ecken. Das Spannende ist doch, das jeder und jedes unterschiedlich ist.“ Er versuche immer wieder, gerade Heranwachsenden deutlich zu machen, dass Individualität und Kreativität positive Wesenszüge sind. „Es ist doch beispielsweise viel schöner, wenn ich aus meinen eigenen Fotos einen Kalender oder ein Fotobuch machen und verschenken kann. Kaufen kann jeder.“

Derweil haben Marlon und sein Freund aus ihren Fotos das schönste ausgewählt. Das werden sie zum Abschluss des Workshops – auf 20 mal 30 Zentimeter vergrößert und gerahmt – mit nach Hause nehmen dürfen. Außerdem erhält jeder Teilnehmer vier weitere Ausdrucke seiner besten Arbeiten.

Kaum haben die beiden ihre Wahl verkündet, sind sie schon wieder unterwegs. Mit einer Trittleiter machen sie sich auf zum Streetballfeld ein paar Meter weiter im Park: Sie wollen mal ausprobieren, was sie alles mit dem Basketballkorb und ihren eigenen Köpfen inszenieren können. Der „Kopf im Netz“, der dabei herauskommt, ist wirklich nicht schlecht.

 

Im Jugendhaus Goddelau nehmen neun Jugendliche an Pop-Art-Workshop teil

Von Lotte Schüler

GODDELAU - Für neun Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren besteht das Ferienvergnügen darin, den Tag mit Arbeit zu verbringen. Mit Zollstock, Säge und Bohrer begannen sie am Dienstag damit, einen Bilderrahmen zu bauen und zu bespannen. „Pop-Art-Workshop“ taufte Jugendpfleger Kai Faßnacht dieses Angebot. Als gelernter Schreiner hat er die Holzbearbeitung voll im Griff. Zumindest einen Einblick in die handwerklichen Tätigkeiten sollten auch die Teilnehmer seines Workshops bekommen, erklärte er dem Echo.

Spongebob und Homer Simpson als Motive

Und da acht der neun Teilnehmer diesen Workshop schon einmal besucht haben, scheint das Ganze auch noch Spaß zu machen. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Jugendpfleger gerne lacht und die Arbeit locker angehen lässt. Die beiden Luis wussten noch vom vergangenen Jahr, dass sie echte Arbeit erwartete. Der 13-Jährige wollte für den Bruder einen Spongebob auf die Leinwand bringen oder einen Homer Simpson für den Partykeller. Und der Zwölfjährige plante eine Festung aus dem Film „Der Herr der Ringe“ oder Sheldon Cooper aus seiner Lieblingsserie „Big Bang Theorie“. Aber vielleicht entsteht auch noch etwas ganz anderes, scherzte Faßnacht. Er erinnerte dabei an das Problem mit der Geduld; denn je nach Motiv wird das Malen mehr oder weniger Zeit beanspruchen. Sein Angebot: Wenn einer glaubt, ihm reiche die offizielle Workshop-Zeit von 11 bis 15 Uhr nicht, dann kann er nach Absprache früher kommen und später gehen.

Einige Bilder im Jugendraum und die Graffitis an den Wänden im Freibad stammen von Besuchern des Jugendhauses, davon konnten sich die Teilnehmer bei ihrer Motivwahl inspirieren lassen. „Am Ende soll jeder ein fertiges Bild in den Händen halten, mit dem er zufrieden ist“, versprach Faßnacht.

Zur Einführung erklärte er: „Ihr werdet ganz, ganz viel selbst entscheiden. Ihr werdet ganz, ganz viel Verantwortung haben, für euch und für die Gruppe.“ Für den ersten Tag schränkte er ein, dass er wegen der elektrischen Werkzeuge selbst etwas mehr Verantwortung übernehmen werde. Schnell waren Zweier-Teams gebildet und dann kam Leben in die Gruppe. Die erste Entscheidung betraf die Größe des Bildes. „Ihr solltet kein Bild machen, das größer ist als die Möglichkeiten, es zu Hause aufzuhängen“, riet Faßnacht. Mit Hilfe von Zollstock und Winkel wurden die Markierungen gezeichnet. Wer zum ersten Mal an dem Workshop teilnahm, musste wenigstens ein Mal mit der Handsäge arbeiten. „Damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, wie viel Kraft man fürs Sägen braucht“, begründete der Jugendpfleger diese Maßnahme. Nur Lena (elf Jahre) gehörte zu den Neulingen. Sie habe davon gehört, dass bei dem Workshop etwas mit Leinwand gemacht werde, das fand sie interessant. Zunächst musste sie jedoch die fünf Zentimeter breite Dachlatte in vier passende Teile sägen, zusammenschrauben, grundieren und dann endlich mit dem Tacker die Leinwand darauf spannen.

Kreativer Teil mit Bildbearbeitung am PC

So weit sollten alle an diesem ersten Tag kommen, hoffte Faßnacht. Dann könne am nächsten Tag der kreative Teil mit der Bildbearbeitung am PC folgen und das Übertragen per Beamer auf die vorbereitete Leinwand, wo die Konturen mit Bleistift nachgezeichnet werden. Und am Ende kommt Farbe auf die Leinwand – von ganz bunt bis monochrom ist alles möglich.

 

Beim Foto-Workshop den Blick schärfen

Von Lotte Schüler

GODDELAU - „Beim Fotografieren geht es eher darum, genau hinzugucken und interessante, ungewöhnliche Ausschnitte zu entdecken.“ Was Stadtjugendpfleger Kai Faßnacht ganz locker zu Beginn seines Fotoseminars erklärt, dass sollen die vier Teilnehmer drei Tage lang praktisch ausprobieren. „Fotografier-Workshop“ nennt sich die Veranstaltung, die im Jugendhaus Goddelau in die Geheimnisse attraktiver Fotos einweiht. Mit leichtem Schaudern erinnerte sich der Jugendpfleger an die berüchtigten Dia-Abende von früher, an denen mancher stolze Urlauber oder Hobbyfotograf mit zahllosen Bildern fatal ähnlicher Landschaften und posierender Familienmitglieder im Bekanntenkreis gähnende Langeweile produzierte.

„Was ist überhaupt spannend zu fotografieren – so spannend, dass ich das anderen zeigen kann und die sagen: Boah?“ Faßnacht empfahl den Jung-Fotografen, sich diese Frage mal selbst zu stellen. Als Beispiel zeigte er eigene Fotografien, die er mit einer sehr einfachen Kamera, von ihm scherzhaft als „Gurkenkamera“ bezeichnet, in der näheren Umgebung geschossen hatte. Ungewöhnliche Perspektiven, nicht alltägliche Kombinationen von Technik und Natur machten dabei den Reiz aus.

„Ich hoffe, dass die Generation Smartphone mal die Augen vom Display lösen kann“, erklärte der Jugendpfleger im Gespräch mit dem Echo. Es gehe darum, die Realität aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu entdecken, statt sich in virtuellen Welten zu bewegen.

Da am ersten Tag Naturmotive im Unterwald bei Trebur erkundet werden sollten, war auch eine entsprechende Vorbereitung nötig. Ein Checkliste half, nichts zu vergessen: Funktionierender Fotoapparat, Ersatzbatterien und Verpflegung für längere Aufenthalte. Auch wenn Faßnacht prophezeite, dass mancher bei der Jagd nach tollen Motiven profane Mahlzeiten vergessen könnte, irgendwann würde der Hunger sich melden.

Für den zweiten Tag standen urbane Motive auf dem Programm. Dazu fuhr die Gruppe nach Darmstadt, zur Mathildenhöhe und eventuell zum Hundertwasserhaus. Und für den letzten Tag hatte sich der Organisator Porträts zum Thema genommen. Als Beispiel für künstlerisch verfremdete Bilder hatte er einige Schallplattenhüllen mitgebracht.

„Ihr werdet am Ende etwa 300 Bilder gemacht haben“, kündigte der Jugendpfleger an. Das Beste darunter sollte jeder selbst aussuchen und als gerahmten Abzug mit nach Hause nehmen können. Und natürlich bleiben auch alle anderen Bilder auf den Speicherkarten im Besitz ihrer Schöpfer.

Gina und Nadine, beide 14 Jahre alt, haben neben ihrem Smartphone auch richtige Kameras. Am liebsten fotografiere sie Natur, verrät Gina, und Nadine ergänzt, auch Stadt und besonders gute Momente wähle sie als Motive. Justin hat mit seinen 14 Jahren ebenfalls schon Fotografier-Erfahrung.

„Ihr seid die Macher, ihr werdet den Fotoapparat in die Hand nehmen und über das Motiv entscheiden. Und ihr seid verantwortlich, was ihr am Ende mit nach Hause nehmt“, gab Faßnacht seinen Kursteilnehmer mit auf dem Weg. Betreuer Niclas hatte schon Proviant und heiße Getränke eingepackt, und so konnte der Ausflug nach Trebur beginnen, zu spannenden Motiven und interessanten Bildern.

 

Tücke liegt im Detail

Von Anke Mosch

WORKSHOP Jugendliche bauen in Goddelau nach ihren Vorstellungen eine Kiste für Holzbrettspiele zusammen

GODDELAU - Der Workshop hat an diesem Mittwochvormittag gerade erst begonnen und doch werkeln die acht Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren bereits emsig im großen Raum des Jugendhauses „WoGo United“ auf der Weidstraße, als hätten sie ihr gestriges Tun nie unterbrochen. Die Bühne wurde zur überdimensionierten Werkbank umfunktioniert, auf der jetzt Joaquin (zehn Jahre), Henri und Luca (beide elf) mit Ausdauer die Oberfläche der beiden Hälften ihrer Spielekiste schön glatt schleifen. Am abgedeckten Billardtisch sind Philipp, Fabian, Lina (alle elf) und Laura-Sophie (16) noch einen Arbeitsschritt davor und leimen und schrauben die Seitenteile an die Deckelplatten.

Backgammon-Koffer als Grundlage

Die Tücke liegt im Detail, merken sie schnell – hier lässt sich eine Schraube nicht ganz hineindrehen, dort wurde zu wenig Leim aufgetragen. Philipp ist das Holz auf einer Schmalseite zu lang geraten, sodass es sich nicht zwischen die beiden Längsseiten einpassen lässt. Jugendpfleger Kai Faßnacht weiß auch hier Rat, zeigt ihm, wie es zu den Ungenauigkeiten kam und bringt mit Stichsäge das Holz auf das richtige Maß.

„Workshop für Holzbrettspiele“ heißt das dreitägige Angebot im Jugendhaus für die letzte Ferienwoche. Welche und wie viele Spiele die Jugendlichen herstellen wollen, ist ganz individuell ihren Vorlieben und ihrer Fantasie überlassen, erzählt Faßnacht. Doch zunächst einmal bauen sie alle eine einheitliche Grundlage für ihre Brettspiele: eine Spielekiste, die ähnlich aufgebaut ist wie ein Backgammon-Koffer und zwei gleich dicke Deckel hat. Aufgeklappt können die beiden Seiten wie bei Backgammon für ein großes Spiel genutzt werden. Die Workshop-Teilnehmer können aber auch auf jede Hälfte ein Spiel aufmalen – und dann gibt es ja noch die Außenseite, mit der genauso verfahren werden kann, sodass bis zu vier Brettspiele in und auf der Kiste Platz finden.

 

Im Erdgeschosssaal des Jugendhauses wird jede freie Fläche genutzt. Lina ist mittlerweile an einen kleinen runden Tisch umgezogen und schmirgelt jetzt auch an ihren Kistenhälften. Einen Tisch weiter bekommt die zwölfjährige Maxine einen gehörigen Schreck. „Kai, das Papier schmirgelt Pink!“, stellt sie konsterniert fest. „Das ist extra Mädchen-Schleifpapier“, blödelt der Jugendpfleger, um dann zu beruhigen: „Bevor ihr lackiert werden eh noch die Schleifreste abgebürstet, dann verschwindet das wieder.“

Lucas und Henri sind derweil fertig mit der Schleif-Fleißarbeit und wollen sich jetzt an die Scharniere wagen. „Wollt ihr es einfach, oder was Mühe macht?“, fragt Faßnacht und lacht, als er ein entrüstetes „natürlich, was Mühe macht!“ zur Antwort erhält. Also zeigt der Jugendpfleger, der auch eine Ausbildung zum Schreiner gemacht hat, wie die Hobbyhandwerker die Umrisse der Scharniere mit Bleistift aufreißen und dann mit Stecheisen und Hammer behutsam eine Mulde für die Scharniere aus dem Holz schlagen, damit die Gelenke plan mit dem Holz abschließen. „Arbeitet euch lieber vorsichtig heran und überprüft immer mal wieder die Tiefe – was ab ist, ist ab“, rät er den beiden Jungs.

Die meisten der acht Jugendlichen wissen schon, welche Brettspiele sie schließlich in und auf ihre Kiste malen wollen. Schach und „Mensch-ärgere-dich-nicht“ sind es bei Lina und Joaquim. Henri hat eine kompliziertere Idee: In das eine Innenfach soll Mühle, in das andere Solitär, für das er noch Vertiefungen in das Spielfeld bohren möchte.

 

Pop-Art-Workshop 2018


 

Auf Spurensuche mit der Kamera

Von  Anke Mosch

Riedstädter Jugendliche besuchen in den Herbstferien einen Workshop des Jugendbüros und lernen dabei den persönlichen Blick für Dinge der Umgebung.

GODDELAU - Vier Nachwuchsfotografen sind auf Motivsuche auf dem Spielplatz des Volksparkes in direkter Nachbarschaft zum Jugendhaus „WoGo United.“ Die Spiralen des Klettergerüstes müssten eigentlich einen guten Rahmen für Porträtfotos abgeben, überlegen Luca (elf Jahre), Lina (zwölf), Mia (13) und Elizabeth (zwölf). Denn am letzten Tag des Fotoworkshops des Jugendbüros Riedstadt in der ersten Herbstferienwoche geht es um Porträtaufnahmen.
„Aus der Natur in die Stadt zu sich selbst“, nennt Jugendpfleger Kai Faßnacht den Ablauf des dreitägigen Workshops. Diesem Motto gemäß waren die vier Jugendlichen und ihre zwei Betreuer viel unterwegs, fuhren am ersten Tag in den Griesheimer Wald, am zweiten in die Stadt Mainz und nun sollen sich die Jugendlichen mit sich selbst als Fotomotiv beschäftigen. „In dem Workshop geht es nicht um das große Ganze, sondern um das Besondere und den persönlichen Blick“, erklärt Faßnacht.
„Ein tolles Hobby, das nicht viel Geld kostet“
Ausgestattet mit ihren eigenen, einfachen Digitalkameras, wie zum Beispiel ihrem Handy, sollen die Workshopteilnehmer auf fotografische Spurensuche gehen. „Der Schwerpunkt liegt auf Sehen und Entdecken – auch davon, was für ein tolles Hobby Fotografieren sein kann, das nicht viel Geld kostet“, so der Jugendpfleger. Unterstützt wird Faßnacht von seiner neuen Kollegin Julia Spitzer, die seit 1. Oktober neu im Jugendbüro-Team ist.
Der erste Tag wurde zur Entdeckungstour bisher unbekannter Umgebung. Denn der Griesheimer Wald ist zwar nah, „aber wir waren alle zum ersten Mal da“, erzählt Faßnacht. Entdeckt wurde die ganz eigene Atmosphäre des Überflutungsbeckens mit seiner Schilflandschaft, in der Vögel auf Holzpfählen standen. „Das hatte etwas von einer Moorlandschaft“, findet der Jugendpfleger.
Das Kontrastprogramm gab es am nächsten Tag im Großstadtdschungel von Mainz. „Sie haben zum Beispiel ganz bewusst den Kontrast von alten Häusern und neuer Architektur als Motiv genommen“, erzählt Faßnacht. Nun geht es am letzten Tag um Porträtaufnahmen. Mittlerweile hat sich die Gruppe in Zweierteams aufgeteilt. Luca und Lina versuchen sich in Nahaufnahmen des anderen in der Bewegung: Immer einer setzt sich auf den Tellersitz der Seilbahn, der andere versucht, ihn in voller Fahrt abzulichten. Gar nicht so einfach, stellen beide fest: Mal ist Lina nur halb zu entdecken, mal Luca gar nicht vorhanden. Schließlich setzt sich Luca einfach auf den Teller, ohne los zu sausen und Lina macht eine gestochen scharfe Aufnahme des posierenden Kollegen.
Bewegung hat es auch Mia und Elizabeth angetan: Sie drehen sich munter auf dem Karussell im Kreis und schießen Selfies, die zu ihrer Überraschung gar nicht verschwommen, sondern ganz deutlich sichtbar werden. Im Laufe ihres letzten Workshop-Tages liegt noch eine Herkulesaufgabe vor den vier Teilnehmern: aus all den vielen Aufnahmen sollen sie die schönste aussuchen. Die wird auf Din-A-4-Format ausgedruckt, gerahmt und darf mit nach Hause genommen werden.
 

Jugendbüro bietet Videoschnittkurs an

Von  Anke Mosch

Fünf Teilnehmer beschäftigen sich in Goddelau mit Bildbearbeitung und haben viel Spaß an der „Bosselarbeit“.

 
GODDELAU - „Wir werden euch etwas mitgeben, was ihr euch an die Wand hängen könnt“, verspricht Jugendpfleger Kai Faßnacht den Teilnehmern zu Beginn des zweiten Workshoptages im Jugendhaus „WoGo United.“ Dafür müssen die drei Jungs und zwei Mädchen im Alter von elf bis 13 Jahren aber auch selber aktiv werden. Erst einmal sollen sie sich fotografieren, jeder Teilnehmer muss von vorne und im Profil abgelichtet werden. „Ach so, wie ein Verbrecherfoto“, wirft einer der Jungen ein und Faßnacht lacht dröhnend.
Denn die Parallelen zur erkennungsdienstlichen Behandlung enden bereits mit der Aufnahmetechnik. Schließlich sollen die Kinder und Jugendlichen mindestens ihre beiden Porträtfotos, eventuell sogar noch ein drittes Ganzkörperbild zu einem einzigen Bild zusammen packen und anschließend noch weiterbearbeiten. „Eure Aufgabe ist es, möglichst viel einzufügen“, erklärt der Jugendpfleger. Da kann der Hintergrund gestaltet werden, aber auch das eigene Bildnis: ein Tattoo eingefügt oder die Augen vergrößert werden. „Wenn du dich schon mal mit Bart sehen willst, kannst du den auch einarbeiten“, sagt Faßnacht zu einem der Jungs.
 
Drei Tage lang beschäftigen sich die Workshopteilnehmer im Angebot des Jugendbüros in der letzten Ferienwoche mit Bildbearbeitung und Videoschnitt. Zur Verstärkung hat Faßnacht dafür noch Benjamin Ruks vom „StRiedKULT-Klub“ des Jugendhauses dazu geholt. „Das ist eine der anstrengendsten Workshops, die es so gibt, weil Bildbearbeitung Bosselarbeit bedeutet, für die man viel Geduld braucht“, betont Faßnacht. Zur Belohnung gibt es zum Abschluss das ausgedruckte Bild mitsamt Rahmen. Am ersten Tag hatten sich die Teilnehmer erst einmal mit den Grundprinzipien vertraut gemacht und die verschiedenen Tools des Bildbearbeitungsprogramms ausprobiert. Etwa Farben verändert, Dinge eingefügt und mit einem imaginären Radiergummi verräterische Spuren beseitigt.
Nun also kann am Mittwoch das eigene Porträtbild in Angriff genommen werden. Weil die Außenwand des Jugendhauses einen schön neutralen Hintergrund bildet, ziehen die Jugendlichen für die Aufnahmen vor das Jugendhaus. Da lichten dann etwa Giorgia und Sarah (beide zwölf) Emilio (13) vor der Wand ab. Wieder drinnen zieht Emilio die Fotos auf Festplatte, damit sie weiterverarbeitet werden können.
Doch in den drei Tagen geht es nicht nur um Bildbearbeitung. Luca (elf) träumt davon, mal seinen eigenen Youtube-Channel einzurichten. Also zeigt Benjamin ihm und den anderen am Doppelbildschirm auch, wie Videoschnitt funktioniert. Die Kinder und Jugendlichen hätten auch eigene Fotos und Videos von zuhause mitbringen können, erzählt der Jugendpfleger währenddessen. Doch da die fünf wenig dabei hatten, greifen Faßnacht und Ruks auf Material des Jugendhauses zurück und lassen ihre Teilnehmer mit den beiden Fotoapparaten auch neue Fotos zur weiteren Bearbeitung erstellen. Die beiden Mädchen haben da noch eine Idee und fotografieren sich für ihr Porträt in Handstand und Brücke. Den Jugendpfleger freut es, schließlich wird Experimentieren hier großgeschrieben – ob nun am Bildschirm oder vor der Linse.
 

Alle packen mit an

Von  Kirstin Gründel

Jugendliche sollen in dem Goddelauer Osterferien-Workshop nicht nur den Umgang mit Holz lernen. Jugendpfleger Kai Faßnacht leitet die Arbeiten an.

GODDELAU - „Das Schleifen hat am meisten Spaß gemacht“, sagt der fünfzehnjährige Julian und erntet prompte Zustimmung von Tammo, Tom und Henri. Die vier Jungen bauen gemeinsam mit drei weiteren diese Woche im Jugendhaus eine Eckbank samt Tisch aus Paletten. „Wir hatten heute früh 13 Paletten, die mussten wir sägen, schleifen und jetzt anmalen“, fasst Tom zusammen. Das Arbeiten mit Schleifmaschine und Säge fasziniert die Kinder dabei am meisten.
Zum Schluss muss aufgeräumt werden
Angeleitet werden sie von Jugendpfleger Kai Faßnacht, der auch die Idee für den viertägigen Workshop in den Osterferien hatte. „Die Ideen müssen von uns kommen“, bedauert er dabei ein wenig und ergänzt: „Wir schlagen sozusagen den Kindern vor, was ihnen fehlt.“ Schöner fände er es, wenn die Kinder selbst Ideen entwickelten, was sie in den Ferien im Jugendhaus machen möchten. „Wenn die Ideen von den Kindern selbst kämen, wären der Elan, die Motivation anders“, meint Faßnacht.
 
Dennoch freut er sich, dass der Workshop so schnell ausgebucht gewesen sei. Acht Jungen hatten sich innerhalb kurzer Zeit angemeldet. „Wir haben auch Kinder dabei, die schon mit Holz und auch zu Hause in einer Werkstatt arbeiten“, berichtet Faßnacht. So erzählt Julian: „Ich habe schon Kerzenständer hergestellt.“
Faßnacht ist überzeugt, dass die Kinder in dem Workshop nicht nur den Umgang mit Holz, sondern auch andere Dinge lernen könnten. So habe er den Kindern klar gemacht, dass es bei diesem Bauworkshop wie in einer Werkstatt zugehe: Zum Schluss müsse aufgeräumt werden, dann erst könnten alle gehen. Während einige der Elf- bis Fünfzehnjährigen am Nachmittag selbstständig anfangen, aufzuräumen, fällt es anderen schwerer. Schließlich packen aber alle mit an. „Als Erwachsener muss ich dazu gar nicht viel sagen. Die Kinder schauen es untereinander ab und nehmen es von ihren Kumpels eher an als von Erwachsenen.“ Das sei der beste Lerneffekt, so der Jugendpfleger.
 
Überzeugt ist er auch: „Wenn wir vier Tage lang an der Bank gearbeitet haben, schätzt man den Gegenstand wieder mehr wert.“ Vielleicht bleibe auch für später etwas hängen, hofft der Sozialpädagoge: „Wenn die Kinder später ihre erste eigene Wohnung und wenig Geld haben, erinnern sie sich vielleicht an den Workshop und bauen sich ein Bett aus Paletten.“
Die Eckbank, so plant Faßnachts Gruppe, soll Gründonnerstag vor dem Jugendhaus zusammengebaut werden. Bis die Kinder auf der Bank Platz nehmen können, muss sie allerdings noch zwei weitere Male gestrichen werden. Faßnachts Wunsch ist schließlich, dass das Werkstück mehrere Jahre hält: „Wenn wir hier für das Jugendhaus bauen, sollte es schon länger halten.“ Dabei lässt er aber auch Fehler zu. „Man lernt aus Sachen, die schiefgegangen sind mehr als aus Sachen, die sofort klappen. Das führt zur Weiterentwicklung.“
Eine offizielle Einweihung der Bank plant der Betreuer für Juni. Bis dahin dürfte auch die Außenwand über der Bank neu gestaltet sein. Hier wird in den kommenden Wochen ein Graffitisprayer aus Goddelau Hand anlegen und ein buntes Bild kreieren. „Hier soll eine Erinnerungsecke entstehen“, erzählt Faßnacht und erinnert sich, dass im vergangenen Jahr zwei Menschen, die jahrzehntelang die Jugendarbeit unterstützt hätten, überraschend gestorben seien. Mit für sie typischen Symbolen soll an diese beiden Mitarbeiter erinnert werden. „In unserer Zeit geht so viel vergessen. Das müssen wir doch mal anders machen“, ruft Faßnacht auf.
 

Eine Frage der Einstellung

Beim Fotografie-Workshop der Jugendhilfe Riedstadt lernen Jugendliche, wie sie Motive finden und mit der Kamera umgehen.

Von Lotte Schüler

GODDELAU - Die Natur beobachten und fotografieren: Diese Aufgabe hatten am Montag sechs Kinder und Jugendliche beim Workshop „Fotografieren“, den die Jugendpflege der Stadt Riedstadt zum fünften Mal in den Herbstferien anbietet.
Die 13-jährige Eva erklärte, was zu tun war: „Wir waren auf dem Kühkopf. Wir haben die richtigen Einstellungen beigebracht gekriegt und wie es aussieht, wenn Vorder- oder Hintergrund verschwommen ist.“
 
Sie hatte auch gleich ein Beispiel parat, in der Digital-Kamera ihres Vaters abgespeichert, mit der sie öfter unterwegs sei. Sie hatte das ehemalige Gasthaus fotografiert, umrahmt von Bäumen. Die sind aber nicht ganz scharf zu sehen und bilden so einen Rahmen um das Gebäude. Die richtigen Einstellungen von Blende und Zeit ermöglichten diese Fotografie.
Ein anderes Motiv: ein verwitternder Balken, der durch den Bewuchs mit Moos und Pilzen etwas Geheimnisvolles hat. Das Kastanienblatt am Boden zeigt seine besondere Struktur, weil Eva für dieses Motiv ganz nah herangegangen war.
„Es geht darum, den Blick dafür zu haben, was es gibt“, sagte Jugendpfleger Kai Faßnacht dazu. Beim Gebrauch von PC und Handy entwickelten die Nutzer ein relativ eingeschränktes Blickfeld. Was am Rand ist, gehe verloren. „Wir nehmen uns Zeit, genauer hinzugucken, vielleicht zwei bis drei Mal auf die gleiche Stelle zu gucken und dann Neues zu entdecken.“ Der 12-jährige Tammo erzählte, wie er aus verschiedenen Perspektiven fotografiert habe. „Man muss sich manchmal auch dreckig machen“, warf Luca ein.
 
Der Jugendpfleger ergänzte: „Es macht etwas mit einem, wenn man mal fünf Minuten an einer Stelle stehen bleibt.“ Dieses genaue Schauen und Beobachten sei wahnsinnig entspannend, weil es entschleunige. „Ich gebe Brief und Siegel, dass am Ende alle so viele gute Bilder haben, dass sie damit einen Kalender gestalten könnten.“ Das sei etwas ganz Individuelles, nichts von der Stange und ein ganz persönliches Geschenk.
Faßnacht war sich des kreativen Potenzials der Teilnehmer bewusst, auch bei denen, die keine Erfahrung mitbrachten.
Am Mittwoch sollen im Jugendhaus WoGo alle Bilder gesichtet werden, jeder soll sich sein Top-Bild aussuchen, erklärte Faßnacht weiter. Das Lieblingsbild werde in DIN A 4 ausgedruckt und gerahmt, zum Mitnehmen.
Pläne gibt es auch: Die Gruppe wird den Rhein unter fotografischen Gesichtspunkten beobachten, erklärte Faßnacht. Dabei gehe es um Wasser und Spiegelungen im Wasser. Für Dienstag sei eine Fahrt nach Wiesbaden geplant. Dann sei das Thema die Stadt und ihre Besonderheiten.
„Weg vom PC, hin zu neuen Erfahrungen und neuen Hobbys“ sei ein Ziel der Veranstaltung, so Faßnacht. Vielleicht bekommen Teilnehmer auch einen Anstoß zur Berufswahl. Chantal schließt das nicht aus. Sie mache bald ihren Schulabschluss. Danach wolle sie ein freiwilliges soziales Jahr im Bereich Fotografie machen und dann vielleicht „eine Ausbildung zur Fotografin“. Eva meinte, dass sie das Fotografieren wahrscheinlich als Hobby beibehalten werde, nicht als Beruf.
Ob es den Workshop auch in den Herbstferien 2020 geben wird, sei noch nicht entschieden, sagte Kai Faßnacht. Vielleicht gebe es auch ein ganz anderes Angebot.

Malen, schreiben, lesen: Kreativwerkstatt im Jugendhaus Goddelau

Unter dem Motto „Fantasiereisen, Bücher und eigene Texte“ hat Jugendpfleger Kai Faßnacht ein Angebot entworfen, bei dem die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

Von Charlotte Martin
Kai Faßnacht erklärt den kleinen Teilnehmern die Idee hinter der Kreativwerkstatt. Foto: Vollformat/Robert Heiler

Kai Faßnacht erklärt den kleinen Teilnehmern die Idee hinter der Kreativwerkstatt. (Foto: Vollformat/Robert Heiler)

RIEDSTADT - Dass Lesen eine Lust sein kann, dass es Abenteuer und Inspiration bedeutet, dass es die Fantasie beflügelt und die Welt weit macht – all dies führt Jugendpfleger Kai Faßnacht enthusiastisch vor Kindern im Jugendhaus „WoGo United“ in Goddelau aus.
Die neun Acht- bis Dreizehnjährigen nehmen am dreitägigen Ferienangebot unter dem Motto „Fantasiereisen, Bücher und eigene Texte“ teil. Dieses hat Sozialpädagoge Faßnacht konzipiert, um jenseits von Computer, Handy & Co Kommunikation, Verständigung, Wort-und Spracherkundung sowie Ausdrucksfindung in den Fokus zu rücken. „Sieben Plätze hatte ich eingeplant – neun Anmeldungen haben wir: Das ist bestens“, sagt er am ersten Tag des Workshops.
 
Eine lauschige Stehlampe flankiert die anheimelnde Sitzecke. Seitlich lockt ein Büchertisch, den Faßnacht mit anregender Literatur versehen hat: Es darf gestöbert werden. Zugleich bieten ringsum Arbeitstische, ausgestattet mit Papier, Stiften, Kleber und Schere den Kindern Raum, malend oder schreibend ihre eigene Welt zu entwerfen. „Wir können in diesen drei Tagen das, was Bücher uns bieten, genießen und selbst schöpferisch sein“, sagt Faßnacht. Alle hören gespannt zu, doch manchem liegt merklich die Frage auf den Lippen, ob die Kreativwerkstatt zur Ferienzeit etwa in Arbeit ausarte. Faßnacht lacht und beruhigt: „In der Wohlfühlecke ist Platz zum Lesen, Vorlesen und für Fantasiereisen, aber wir haben auch Gelegenheit, selbst kreativ zu werden. Das hat nichts mit Lernstress und Schule zu tun. Nächste Woche geht’s los und ihr müsst Leistung bringen, hier habt ihr kreativen Freiraum.“
AUFTAKT 
 
Der Ferien-Kreativworkshop ist Auftakt zum Schwerpunkt Leseförderung mit verschiedenen gezielten Angeboten im Jugendhaus „WoGo United“ für 2020/21.

 Ergebnisse des Workshops sind im Internet unter www.striedkult.blogspot.com einzusehen. (lot)
Freilich: Gute Kommunikation sei Basis, so Faßnacht. Er erklärt, dass Sprache von jeher wichtig zur Verständigung war: „Vielleicht handelte es sich beim Neandertaler nur um Lautmalerei, aber die war lebenswichtig. Später dann, lang bevor geschrieben wurde, galt Sprache dem Erzählen, dem Weitertragen von Nachrichten.“ Gebannt lauschen die Kinder und Faßnacht betont: „Ich kann nicht in eure Köpfe gucken. Ich mache nur Vorschläge – ich lese vor, biete Hörspiele an, wir machen Naturspaziergänge zur Inspiration. Bringt eure Ideen ein, sagt, wenn euch was nicht gefällt“, ermuntert er. Die Kinder berichten von ihrer Motivation, an der Werkstatt teilzunehmen – fast alle lesen gerne, sei es Fantasy oder Comic, sei es ‚Harry Potter’ oder ‚Gregs Tagebuch’. Einige verraten, dass sie bisweilen selbst schreiben – „Ich schreibe Gedichte. Das will ich auch hier tun“, sagt Tammo (13). Kathleen (9) mag Hörspiele. Und Sandro erwähnt, dass er gern Filme zu Büchern anschaue: „Danach habe ich Lust, die Bücher zu lesen.“ Faßnacht merkt an: „Lesen macht so viel mehr mit euch im Kopf. Ihr seht die Handlung vorm inneren Auge, ihr lernt Figuren kennen, taucht in eine neue Welt ein.“ So packend, wie er die Faszination des Lesens umschreibt, sind die Kinder zunehmend gebannt.13
 
Während sie jetzt – teils couragiert, teils zaghaft – darangehen, den Büchertisch und die Arbeitstische zu erkunden, berichtet Faßnacht: „Leseförderung ist für mich und meine beiden Kollegen vom städtischen Jugendbüro – vormals Jugendpflege – seit Jahren großes Thema. So richten wir jedes Jahr Lesenächte aus. Die Werkstatt zum Lesen und Schreiben biete ich aber erstmals an. Lesekompetenz ist Basis für jede Art des Lernens. Jenseits der Internetschnelllebigkeit Lust am Lesen zu wecken, ist mir ganz wichtig.“